veröffentlicht am 14.09.2021

Nicht lockerlassen. Dranbleiben. 50 Jahre Greenpeace.

Im September 1971 begann mit dem Einsatz gegen Atomtests die Geschichte von Greenpeace. Seitdem haben wir viele kleine und große Siege für Umwelt und Frieden erreicht. Ein kleiner Überblick darüber – und wie es heute weitergeht.

Im Einsatz für Frieden von Mensch und Natur …

1971, mitten im kalten Krieg, als nukleare Auslöschung jeden Tag die Menschheit bedrohte, wollten die US-Streitkräfte auf der Insel Amchitka westlich von Alaska Atomsprengköpfe testen. Zur ohnehin bestehenden Bedrohung durch die Entwicklung immer neuer Waffen kam durch noch eine tödliche Gefahr für Tiere und die Umwelt hinzu: Felsstürze und Schockwellen drohten ihre Lebensräume zu zerstören, selbst ein Tsunami konnte nicht ausgeschlossen werden. Doch Umweltschutz wurde kleingeschrieben in dieser Zeit, als die Welt noch an unbegrenztes Wachstum glaubte – und Tiere für Tests zu opfern, galt als vertretbar.

Aber einige idealistische Menschen wollten das nicht hinnehmen. Sie mieteten die Phyllis Cormack und fuhren vom kanadischen Vancouver aus bis vor Alaska. Eine kleine Gruppe UmweltschützerInnen auf einem winzigen Fischkutter stand gegen die größte Militärmacht der Welt – und sie erreichten einen medialen Aufschrei, der dazu führte, dass die Testreihe ein Jahr später vorzeitig beendet wurde.

Die Crew von Greenpeace an Bord der SV Phyllis Cormack während der Amchitka-Expedition 1971.

Der Einsatz für den Frieden war für Greenpeace nicht nur der Anfang, er blieb bestehen. Denn Frieden und Umweltschutz gehen Hand in Hand – in einer Welt des Krieges und des Todes können kein Grün und kein Leben gedeihen. Die Erfolge gingen weiter: 1974 beendete Frankreich nach Greenpeace-Protesten die atmosphärischen Atomtests im Südpazifik, 1992 die Tests im Muroroa-Atoll. Und auch heute noch kämpft Greenpeace gegen nukleare und konventionelle Aufrüstung, zuletzt mit Protestaktionen gegen deutsche Waffenexporte.

Symbolfoto: Der Unterwassertest Swordfish einer 20 Kilotonnen-Rakete im Jahr 1962. Die Testreihe auf Amchitka sollte Sprengköpfe bis zu 5 Megatonnen enthalten – das über 25fache.

... für die Wale und alle Tiere der weiten Ozeane

Mitte der 1970er waren die Bestände der Wale auf einem Tiefpunkt angelangt. Jahrhundertelange Überjagung, die mit industriellen Methoden immer brutaler geworden war, hatte die wundervollen Meeressäuger an den Rand der Auslöschung gebracht. Würden die Riesen der Meere bald verschwinden?

Doch an einem Sommertag im Jahr 1975 wendete sich das Schicksal. Sowjetische Walfänger, die vor der Küste Kaliforniens jagten, trauten ihren Augen nicht – flinke Boote fuhren mitten zwischen ihren Schiffen hindurch, stellten sich sogar in die Schusslinie der Harpunen.

Auf der ersten Anti-Walfang Kampagne von Greenpeace 1975 manövriert ein Schlauchboot zwischen zwei sowjetischen Walfängern.

Die Bilder der Greenpeace-Aktion gingen um die Welt und bewegten Millionen Menschen. Der Einsatz für die Rettung der Wale ging in eine neue Phase. Und sieben Jahre später beschloss die Internationale Walfangkommission ein Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 in Kraft trat.

Der Einsatz für die Meere und gegen industrielle Fischerei und Ausbeutung der Tierwelt ist seitdem zentral für Greenpeace. 1989 erreichten wir, dass die UNO ein Moratorium gegen die Verwendung großflächiger Treibnetze auf der Hohen See erließ; 1991 folgte das weltweite Verbot der tödlichen Fangmethode. Viele weitere Erfolge folgten. Zuletzt erreichten wir im gemeinsamen Einsatz mit lokalen FischerInnen, dass der Senegal 52 neue Lizenzen für die industrielle Fischerei ablehnte!

Eine Flotte lokaler FischerInnen in traditionellen Booten zeigen anlässlich des Besuchs der Arctic Sunrise 2019 in Dakar ihre Banner.

Und auch heute geht der Kampf für gesunde Meere weiter. Denn die blauen Ozeane sind die Heimat von Milliarden Tieren und bieten Millionen Menschen eine Lebensgrundlage. Sie produzieren Sauerstoff und halten das Klima stabil. Wir kämpfen jetzt für das größte Meeresschutzabkommen der Geschichte, damit bis zum Jahr 2030 mindestens 30 % der Meere geschützt sind, so dass sie sich wieder erholen können!

… im geduldigen Einsatz für die Vielfalt der Naturschätze

Die Antarktis ist der kälteste Kontinent, doch das kann das Leben dort nicht aufhalten: Flinke Pinguine leben gemeinsam mit Robben und Meeresvögeln an ihren Küsten, und auch unter den Eisschollen auf dem antarktischen Ozean pulsiert das Leben.

Doch dieses Leben ist empfindlich. Als die Bergbauindustrie in den 1980ern auf die dort vermuteten Rohstoffe aufmerksam wurde, war alles in Gefahr; riesige Gegenden hätten verwüstet und das Wasser weithin vergiftet werden können. Aber Greenpeace sah selbst im entlegensten Teil der Erde nicht weg und setzte sich weltweit für einen Vertrag zum Schutz der Antarktis ein. 1987 richteten AktivistInnen sogar eine eigene Forschungsbasis ein. Und 1996 kam der Erfolg: Der Antarktisvertrag verbot den Bergbau – ein ganzer Kontinent ist seitdem industrieller Ausbeutung geschützt!

Nach dem Erfolg feiern AktivistInnen der Greenpeace-Expedition 1991/92, dass sie die Forschungsbasis abbauen können.

Zerbrechliche Lebensräume zu schützen, blieb eine Hauptaufgabe von Greenpeace. Denn diese Lebensräume sind die Heimat der größten Artenvielfalt und die Biodiversität ist die Grundlage stabiler Lebensräume.

Seitdem konnten wir viele weitere Gebiete retten: Unser seit 1991 laufender Einsatz für den Schutz der Ladogaschären nahe St. Petersburg erreichte nach 27 Jahren sein Ziel. Der Great Bear Rainforest National Park in Kanada bewahrt einen der letzten borealen Regenwälder Kanadas, mit dem Dwinsky-Wald Russlands konnten wir erreichen, dass ein Gebiet so groß wie Luxemburg zum Nationalpark wurde. Und erst 2020 verhinderten wir die Rodung des Ebo-Waldes im Kongo.

Auch heute geht unser Einsatz weiter. Wir wissen, dass Artenschutz und Waldschutz zu lange auf freiwilligen Versprechungen der Konzerne bauten – und die werden viel zu oft nicht erfüllt. Deshalb kämpfen wir für starke Artenschutzziele der CBD-Konferenz für Biodiversität, für ein EU-Gesetz für globalen Waldschutz, das den Handel mit Produkten aus Waldzerstörung verbietet und für einen Stopp des EU-Mercosur-Paktes, der die Zerstörung der südamerikanischen Wälder zu beschleunigen droht.

Im Wiener Resselpark haben Greenpeace-AktivistInnen die Flammen der Amazonasbrände auf die Bäume projiziert.

… gegen tödliche Gifte in der Umwelt

Bis in die 1970er war etwas normal, das heute unglaublich scheint: Die Entsorgung von Atommüll auf dem Meer. Fässer mit hochgiftigem radioaktiven Müll wurden nicht etwa in Zwischenlagern oder bei Atomkraftwerken deponiert, sondern einfach ins Wasser gekippt – ohne Rücksicht darauf, was der strahlende Abfall mit den Lebewesen anrichten würde oder wie man in Zukunft damit umgehen könnte.

Aber 1979 änderte sich alles, als Schlauchboote von Greenpeace die Transporte störten und die Versenkung des Mülls zu verhindern versuchten. Die Seeleute auf den Frachtern schreckten nicht davor zurück, mit den Fässern direkt auf die Boote zu zielen, um sie zum Kentern zu bringen. Doch die mutigen AktivistInnen ließen sich nicht beirren. Ihr Einsatz zu Wasser und zu Land erreichte, dass 1983 das Versenken von radioaktivem Müll im Meer verboten wurde. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wurde das Meer nicht mehr bewusst atomar verseucht.

1981 blockiert die Rainbow Warrior die Versenkung von Atommüll im Nordatlantik. Seeleute werfen ein Fass direkt auf ein Greenpeace-Schlauchboot.

Zu verhindern, dass nukleare und chemische Gifte in die Umwelt gelangen, ob absichtlich oder unabsichtlich, blieb ein wichtiges Ziel von Greenpeace. Denn egal ob Atommüll, Ölleck, Pestizid oder Industrieabwasser – die Leidtragenden der Verseuchung sind immer zuerst die Tiere, dann aber auch die Menschen.

1988 erreichte Greenpeace die Verbrennung der für Menschen und Tiere hochgiftigen Spritzmittel aus der Klasse der Organochloride auf hoher See. 1991 brachte unser Einsatz deutsche Verlage dazu, auf chlorfreies Papier umzusteigen. 2011 konnten wir große Bekleidungshersteller überzeugen, gefährliche Chemikalien aus ihrer gesamten Produktionskette zu verbannen. Und 2015 erreichten wir das Verbot der drei schlimmsten Bienenkiller aus der Klasse der Neonicotinoide – ein Verbot, das wir 2021 erfolgreich vor Gericht verteidigen konnten.

Vor dem italienischen Landwirtschaftsministerium in Rom halten AktivistInnen im Bienenkostümen einen Streik der Bienen ab, um gegen Pestizide zu protestieren.

… für ein gesundes Weltklima und das Ende des Fossilzeitalters

Dass Greenpeace-AktivistInnen 1998 auf dem Gipfel des Piz Buin ein Transparent gegen die Klimaerhitzung entrollten, wirkt wie eine frühe Aktion – aber für Greenpeace war es nicht früh, denn sie fand nach über 10 Jahren des Einsatzes für ein gesundes Weltklima statt. Greenpeace hatte bereits seit den 1980ern vor der Klimaerhitzung gewarnt.

Seitdem arbeiten wir unermüdlich, eine katastrophale Klimaerhitzung zu verhindern. Unser Einsatz hatte viele Erfolge: Er trug wesentlich dazu bei, dass bei der Kyoto-Konferenz 1997 die Industriestaaten die Wichtigkeit des Klimaschutzes anerkannten und die EU 2002 das Kyoto-Protokoll ratifizierte. Wir brachten McDonald’s, Unilever und Coca Cola 2003 dazu, auf Klimakiller-Chemikalien in ihren Kühlgeräten zu verzichten. Seit den 2010ern beschleunigt sich durch unseren Einsatz die Energiewende: So erreichten wir, dass die Slowakei den Kohleausstieg bis 2023 vollziehen wird – auf eine gerechte Art, die ArbeiterInnen Umschulungen in zukunftsträchtigen und gesündere Jobs ermöglicht und für eine ganze Region ein Umstiegsprogramm startet. 2021 konnten wir in Thailand, der Türkei und Polen mehrere Kohleprojekte aufhalten, zuletzt den Túrow-Tagebau im Südwesten Polens. Und mehrere Konzerne in China und Korea haben auf unseren Druck hin ein Programm für Klimaneutralität aufgenommen!

Unser Einsatz geht weiter: Wir wollen die Energiewende weiter beschleunigen. Wir wollen, dass sie gerecht vollzogen wird, damit nicht die Ärmsten die Last für die Entscheidungen der Reichen tragen. Und wir wollen saubere Mobilität schaffen, die für alle leistbar ist und keinen Menschen zurücklässt.

Greenpeace-AktivistInnen haben einen Schaufelradbagger des Túrow-Tagebaus bestiegen, um ein Ende der Kohle in Polen bis 2030 zu fordern.

… gemeinsam mit Ihnen sind wir nicht zu stoppen!

Viele haben es versucht: Sowjetische Walfänger schossen mit Harpunen über die Köpfe der Greenpeace-GründerInnen, um sie einzuschüchtern. Der französische Geheimdienst platzierte eine Bombe auf der ersten Rainbow Warrior. Die russische Küstenwache setzte die Arctic Sunrise fest und hielt dreißig AktivistInnen wochenlang gefangen. In der Slowakei wurden AktivistInnen nach dem Protest auf einer Kohlemine tagelang festgehalten. Konzerne versuchten uns mit Klagen unter fadenscheinigen Gründen in den Ruin zu treiben.

Doch nichts davon hat uns aufgehalten. Die Rainbow Warrior III, die Arctic Sunrise und die Esperanza sorgen auf den Meeren der Welt immer noch dafür, dass Umweltverbrechen nicht ungesehen bleiben. Und unsere AktivistInnen konfrontieren Regierungen und Konzerne, um Veränderungen anzustoßen.

Die Rainbow Warrior in der Bucht von Manila auf dem Weg der Klimagerechtigkeits-Expedition.

Wir haben uns in 50 Jahren nie einschüchtern lassen. Wir werden auch in Zukunft alles dafür tun, um unseren wunderbaren Planeten und all seine Lebewesen zu schützen.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der Erfolge, die wir in den letzten 50 Jahren erreicht haben. Wir werden noch viele weitere erreichen. Denn wir wissen: Gemeinsam mit unseren UnterstützerInnen können wir alles schaffen!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

50 Jahre Greenpeace – hier sehen Sie unsere wichtigsten Erfolge auf der Zeitachse: